Die Alte Saline in Bad Reichenhall

bildet als in sich geschlossene bauliche Anlage mit ihrer einheitlichen Fassadengestaltung
in neuromanischen Formen zusammen mit den sie umgebenden Abstandsflächen
zur Feuersicherheit ein architektonisch und funktional zusammengehöriges Ensemble. 
In der Nacht vom 8./9. November 1834 brach in einem Sudhaus des Vorgängers der Alten 
Saline ein Brand aus, der schnell auf das gesamte Stadtgebiet übergriff und über 90 
Prozent aller Gebäude in der Stadt zerstörte. Die Tatsache, dass die Sudhäuser zum Teil in 
direkter Nachbarschaft zu Wohnhäusern gestanden hatten, begünstigte das schnelle 
Ausgreifen der Flammen. Um die ständige Bedrohung durch die befeuerten Anlagen für 
die Zukunft soweit wie möglich einzudämmen, waren sowohl eine räumliche 
Zusammenfassung der Produktionsstätten als auch großzügige Sicherheitsabstände zu den 
benachbarten Wohnquartieren beim Wiederaufbau notwendig. König Ludwig I. wünschte 
eine größere Feuersicherheit, erhöhte Hygiene und eine bessere Verkehrsführung. Zudem 
sollte die Anlage dem Repräsentationsbedürfnis entsprechen, war doch das 
monopolisierte Salinenwesen eine der wichtigsten Einnahmequellen des Königreichs und 
hierin bildet Bad Reichenhall das Herzstück. 

 

Der Bau der Salinenverwaltung, der Beamtenstock, hatte Priorität und konnte ab 1837 
innerhalb von zwei Jahren fertig gestellt werden. Die Verhandlungen mit privaten 
Grundstückseigentümern zur Arrondierung des übrigen Baugrundes dauerten bis 1839 an. 
Die Bauarbeiten zogen sich schließlich aufgrund des knappen Bauetats in mehreren 
Abschnitten von 1839 bis 1851 hin. Die Brunnen in den beiden Innenhöfen der Anlage 
kamen erst 1859 dazu. Den Namen Alte Saline trägt sie seit 1926, als der Betrieb an 
diesem Ort mit der Eröffnung der neuen und heute noch in Betrieb befindlichen 
Produktionsstätte außerhalb der historischen Altstadt eingestellt wurde. 
Für die Gesamtplanung war vermutlich der Architekt, Ingenieur und Direktor der 
königlichen Bergwerks- und Salinenadministration Friedrich von Schenk verantwortlich, 
der den mitwirkenden Architekten Daniel Ohlmüller und Friedrich von Gärtner vorgesetzt
war. Auf ihn gehen wohl die Entwürfe der Mehrzahl der Gebäude, vor allem der 
Produktionsstätten, zurück. Ohlmüller als Spezialist für neugotische und neuromanische 
Sakralbauten gestaltete höchstwahrscheinlich nur die Salinenkapelle, Gärtner übernahm
nachweislich den Bau des Beamtenstocks. 
Die Anlage ist axial, symmetrisch und hierarchisch aufgebaut. Der zentral gelegene
Eingangshof ist nach Art eines Cour d´honeur angelegt und in vier rechteckige 
Grünflächen unterteilt. An seiner nördlichen und südlichen Seite wird er von Sudhäusern 
und Salzmagazinen eingerahmt. Auf seiner Ostseite steht das dominierende und 
hierarchisch alles überragende Brunnhaus mit seiner erhöht am Felsen des 
Gruttensteins stehenden Salinenkapelle St. Rupertus. Im Norden und Süden der Anlage
gibt es jeweils einen von weiteren Produktionsgebäuden gerahmten Innenhof mit einem 
achteckigen Brunnen in der Mitte mit Statuen der Heiligen Virgilius und Rupertus, die 
beide traditionell als Schutzpatrone mit dem Reichenhaller Salinenbetrieb verbunden sind. 
Gegenüber dem Haupteingang zum Brunnhaus, auf der anderen Seite der Salinenstraße 
im Westen der Anlage, steht der Beamtenstock, das ehemalige Verwaltungsgebäude der 
Alten Saline. Beide Eingänge dieser hierarchisch an oberster Stelle stehenden Gebäude –

 
   

 Brunnhaus und Beamtenstock – liegen in einer repräsentativen Achse. Im Osten stößt die 
Anlage auf den felsigen Gruttenstein, auf dem das Bergreserve errichtet wurde und der 
Feuerwachtturm aus dem frühen 19. Jh. – als letztes Überbleibsel aus der Zeit vor dem 
Stadtbrand – erhalten geblieben ist.
Die zwischen Saline und Beamtenstock gelegene und den alten Straßengrundriss 
überlagernde Salinenstraße wurde als breite baumbestandene Paradestraße angelegt und 
kreuzt die Achse Brunnhaus-Beamtenstock im 90-Grad-Winkel. Sie diente der 
Repräsentation als zentrale Erschließung der Alten Saline, war als Teil der Handelsstraße 
von Salzburg nach Innsbruck der wichtigste Transportweg durch die Stadt und fungierte 
als Feuerschneise gegenüber der restlichen Stadtbebauung. Nördlich und südlich der 
Anlage wurden baumbestandene Plätze als Abstandsflächen für den Brandschutz 
angelegt: der Obere und Untere Lindenplatz.

 

Sämtliche Gebäude der Anlage besitzen an ihren Schauseiten eine für die Zeit 
ungewöhnlich aufwendige Fassadengestaltung mit den bewussten architektonischen 
Kontrasten aus den Ziegeloberflächen gegenüber den scharf geschnittenen Profilen aus 
Naturstein bei den Werksgebäuden und glattem Marmor beim Brunnhaus mit der Kapelle. 
Die abgewandten Rückseiten der Gebäude zum Gruttenstein sowie das Bergreservoir 
zeigen unverkleidet das darunter liegende Bruchsteinmauerwerk. Die höchste 
künstlerische Ausstattung erfuhr das Brunnhaus mit der Salinenkapelle, die nach dem 
Vorbild romanischer Kirchen gestaltet wurde. Als ideelles Zentrum der Anlage steht sie 
weithin sichtbar auf einem Felsen des Gruttensteins. Das rundbogige Stufenportal als 
Zugang des Brunnhauses und der Kapelle wurde mit rotem und weißem Marmor versehen 
und folgte damit Vorbildern ostbayerischer und Salzburger Kirchenbaukunst. 
Architektonisch berief man sich hier ganz dem Zeitgeist entsprechend auf Vorbilder 
romanischer Baukunst. Der Beamtenstock dagegen wurde als Verwaltungsbau absichtlich 

mit einer blendend weißen, nüchtern erscheinenden Verputzung versehen, im Gegensatz
zu den übrigen der Produktion dienenden Gebäuden. 

Die gesamte Anlage hat sich trotz ihrer über 150jährigen Geschichte und der 
Bombardierung Bad Reichenhalls im Zweiten Weltkrieg außerordentlich gut erhalten. 
Brunnhaus und Kapelle haben nahezu unverändert die Zeiten überdauert. Auch die 
Bepflanzung der Abstandsflächen Oberer und Unterer Lindenplatz sowie die 
Platanenallee in der Salinenstraße sind zum Teil noch aus der Erbauungszeit der Anlage, 
mindestens jedoch 100 Jahre alt. Es gab nur kleinere Überformungen und Umbauten: 
Vermutlich schon in den 1920er Jahren wurden Überdachungen an den Innenhof- 
Zugangstoren zu den Werksgebäuden entfernt, die Abdrücke sind heute noch erkennbar. 
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Mittelteil des Beamtenstocks auf einer Breite von etwa 
drei Fensterachsen durch eine Fliegerbombe zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte in den 
ersten Nachkriegsjahren als detailgetreue Rekonstruktion. In der zweiten Hälfte des 20. 
Jh. wurde der nördliche Innenhof für einige Dekaden als Parkplatz genutzt und verlor 
dementsprechend seine gärtnerische Anlage. Einige Gebäude erfuhren eine neue Nutzung, 
so waren ein Supermarkt und ein Möbelhaus im nordwestlichen Werksgebäude an der 
Salinenstraße untergebracht.

 
   

Die Umgrenzung des Areals der Alten Saline erfolgt zum einen aus gestalterischen und 
zum anderen aus funktionalen Zusammenhängen. Brunnhaus mit Kapelle, Beamtenstock, 
Werksgebäude und Bergreserve bilden eine zeitgleiche architektonische Einheit als 
Repräsentationsanlage eines der wichtigsten bayerischen Industriezweige seiner Zeit. Die 
Feuersicherheit war beim Bau jedoch mindestens genau so wichtig. Daher zählen auch   
der aus dem frühen 19. Jh. stammende Feuerwachtturm, die breite Salinenstraße mit ihrer 
Platanenbepflanzung sowie die beiden Abstandsflächen in Form baumbestandener Plätze 
zu dem Ensemble, da sie funktional und gesamtplanerisch untrennbar mit der Alten Saline 
verbunden sind.